(18.10.2012)
Einmal mehr zieht der Bundesrat Sparmassnahmen im öffentlichen Verkehr in Betracht. Diesmal hat er die Bahn im Visier: Die Kantone sollen prüfen, ob Linien mit einer Kostendeckung unter 50 Prozent durch Busse ersetzt werden können. Der VCS lehnt diese Pläne entschieden ab, weil davon selbst gut ausgelastete Strecken betroffen wären. Er hat am Donnerstag eine Petition lanciert.
Die neuesten Sparpläne des Bundesrats stehen völlig schief in der politischen Landschaft: Während das Parlament über die Finanzierung und den Ausbau des öffentlichen Verkehrs debattiert, zieht der Bundesrat einen eigentlichen Kahlschlag in Betracht. Im Rahmen der Aufgabenüberprüfung will er die Kantone verpflichten zu prüfen, ob Bahnlinien mit einem Kostendeckungsgrad unter 50% nicht durch Busse ersetzt werden könnten. Insgesamt 175 von 300 regionalen Bahnlinien sind davon betroffen.
Den öffentlichen Verkehr aufgrund derart rigider finanzieller Kriterien zu beurteilen, ist fatal. Wendet man einen Kostendeckungsgrad von 50 Prozent an, müssten auch gut ausgelastete S-Bahnen in den Agglomerationen, regionale Verbindungen zwischen kleineren Zentren oder für den Tourismus bedeutsame Linien in Frage gestellt werden. Die bescheidene Sparmassnahme des Bundes würde somit drastische Konsequenzen und Folgekosten generieren.
Der VCS wird sich mit aller Kraft gegen die vom Bundesrat geplanten Sparmassnahmen wehren. Im Rahmen einer Aktion auf dem Berner Bundesplatz lancierte er am Donnerstag eine Online-Petition, welche an den Bundesrat appelliert, auf die Sparmassnahmen zu verzichten. Mit Plakaten wurde dabei eindrücklich illustriert, wie viele Busse notwendig wären, um eine gut besetzte S-Bahn zu ersetzen.
Die Bahn als umweltfreundlichstes Transportmittel auf längeren Strecken müsse in Zeiten des Klimawandels entschieden gefördert werden, sagte VCS-Vizepräsident Roger Nordmann bei der Lancierung der Petition. «Es ist unverständlich, wie der Bundesrat derartige Sparmassnahmen im Schienenverkehr auch nur in Betracht ziehen kann.»
Würde der Bundesrat Bahnverbindungen durch Busse ersetzen, wirkte sich dies nicht nur auf bestimmte Regionen, sondern auf das gesamte System des öffentlichen Verkehrs aus. Dessen Qualität besteht aber gerade darin, dass auch abseits der Hauptstrecken gute Verbindungen garantiert werden. Sobald diese Qualitäten in Frage gestellt werden, sinkt auch die Attraktivität des öffentlichen Verkehrs. Als Folge dessen würden wieder mehr Leute aufs Auto umsteigen. Die Folgen wären höhere CO2-Emissionen und mehr Staus – und damit verbunden gravierende Folgekosten. Keine gute Bilanz für ein Sparprogramm.