(11.06.2012)
Der VCS Verkehrs-Club der Schweiz ist erfreut, dass der Nationalrat die Autoverlade am Lötschberg und durch den Vereinatunnel ins Nationalstrassennetz aufnehmen will. Damit setzt er sich für eine kohärente Netzgestaltung ein. Bereits heute umfasst die Spezialfinanzierung für die Nationalstrassen nicht nur Strassen, sondern weitere Aufgaben im Zusammenhang mit dem Strassenverkehr.
Seit mehr als dreissig Jahren setzt sich der VCS für eine kohärente und nachhaltige Finanzierung der Verkehrsmittel und ihren wesensgerechten Einsatz ein. Die Strassen vor und nach dem Lötschbergtunnel gehören zum Nationalstrassennetz. Die Autofahrenden wollen, wenn sie an der Verladestation in Kandersteg oder Goppenstein angelangt sind, auch den Tunnel durchqueren können.
Es ist daher folgerichtig, dass dieses Zwischenstück – und sei es nun ein Autoverlad – auch zum Nationalstrassennetz zählt. Ganz ähnlich verhält es sich mit dem Vereinatunnel. Die kürzeste wintersichere Strassenverbindung zwischen dem Mittelland und dem Unterengadin ist von nationaler Bedeutung, auch wenn ein Stück davon durch den Tunnel bewältigt wird.
Heute deckt der Autoverlad an Lötschberg und Vereina nur knapp seine betrieblichen Kosten (Personal für Verlad und Fahrt etc.). Der Beitrag ans Schienennetz, an das spezifische Rollmaterial und die Unterhaltsarbeiten fällt jedoch viel zu gering aus. Bund und Kantone als Aktionäre der BLS und der Rhätischen Bahn müssen für diese Investitionen aufkommen.
Werden die Autoverlade aber ins Nationalstrassennetz aufgenommen, kann der Bund die Kosten für die Infrastruktur und deren Unterhalt über die Spezialfinanzierung Strasse abdecken. So könnte etwa die dringend nötige Erhöhung der Verladekapazitäten am Vereinatunnel sachgerecht finanziert werden.
Die Debatte im Nationalrat hat klar gezeigt: Die Antragsstellerinnen und –steller, welche die Aufnahme ins Nationalstrassen verlangten (Franziska Teuscher und Martin Candinas), streben keinen kostenlosen Autoverlad an. Hier handelt es sich um eine Fehlinterpretation der Verkehrsministerin und des Bundesamtes für Strassen. Auch künftig soll die Kundschaft für den Autoverlad zahlen.
Vergleichbar ist dies mit einer längeren Carfahrt auf der Autobahn: Die Car-Reisenden zahlen nichts für die Benutzung der Autobahn, richten dem Car-Unternehmen jedoch einen Preis aus. Damit werden Fahrzeug, Chauffeur, Benzin – kurz gesagt der Betrieb – entgolten. Und in derselben Logik darf auch die Benutzung des Autoverlads nicht kostenlos werden. Dies wäre nicht nur betriebswirtschaftlich unlogisch, sondern auch unsozial gegenüber den Bahnangestellten.
Wie die Preise für die Autoverlade gestaltet werden sollen, um verkehrslenkend zu wirken, steht heute nicht zur Debatte. Es geht einzig um die Verantwortung für die Infrastruktur. Und hier ist es nur sachgerecht, wenn Anlagen, die einzig dem Strassenverkehr dienen, auch diesem angelastet werden.
Der VCS wird sich auch in Zukunft für faire und transparente Preise im Verkehr einsetzen – auf der Schiene wie auf der Strasse. Und er wird dafür kämpfen, dass die externen Kosten für Luftverschmutzung, Klimawandel, Bodenverschleiss und Sicherheit darin einberechnet werden.