(14.06.2012)
Vom Deutschland-Takt, dem bundesweit vertakteten und verknüpften Bahnangebot, können alle profitieren. Das ist die zentrale Erkenntnis des gestrigen Fachaustauschs zwischen Vertretern von Güter- und Personenverkehr auf der Schiene.
Michael Ziesak, Bundesvorsitzender des VCD: „Deutschland-Takt und Schienengüterverkehr sind keine Widerspruch. Angesichts begrenzter Mittel und Ressourcen auch in den kommenden Jahren ist ein gemeinsam für den Güter- und Personenverkehr langfristig geplantes und abgestimmtes Konzept unabdingbar."
Die deutsche Eisenbahnpolitik braucht eine Antwort darauf, wie mehr Verkehr auf die Schiene verlagert werden kann. Aus klima- und energiepolitischer Sicht kann das erwartete Verkehrswachstum der kommenden Jahre und Jahrzehnte nicht ausschließlich auf der Straße stattfinden. Gleichzeitig muss die Frage beantwortet werden, wie die Infrastruktur an die großen Herausforderungen angepasst werden kann.
Mit dem Deutschland-Takt wurde aus Perspektive des Personenverkehrs eine Antwort auf die Frage entwickelt, wie vorhandene Potentiale besser ausgeschöpft werden können. Fern- und Nahverkehr müssen durch enger aufeinander abgestimmte Fahrpläne attraktiver werden. Denn Fakt ist, Menschen fahren mehr Zug, wenn das Angebot stimmt. Der Ausbau der Infrastruktur sollte wiederum an „Zielfahrplänen", das heißt lange im Voraus entwickelten Fahrplankonzepten, orientiert werden. „Damit kann erreicht werden, dass der Ausbau der Infrastruktur optimal auf die Bedürfnisse sowohl des Personen- als auch des Güterverkehrs ausgerichtet wird. Gleichzeitig werden die Investitionsmittel für die Infrastruktur im Sinne einer optimalen Netzauslastung wirtschaftlicher eingesetzt. Manchmal reichen sogar schon kleine Maßnahmen, um die Leistungsfähigkeit des Netzes zu verbessern." betonte Andreas Schulz, Abteilungsleiter Planung bei der Bayrischen Eisenbahngesellschaft und Vertreter der Initiative Deutschland-Takt.
Wie sich die Strategie für den Personenverkehr auf den Güterverkehr auswirkt und ob diese sogar gewinnbringend miteinander verknüpft werden können, dieser Frage gingen die Bahnexperten in der Diskussion auf den Grund.
Der Sektionschef des Schweizer Bundesamt für Verkehr, Hauke Fehlberg, zeigte die Erfolgsaussichten auf. In der Schweiz werden schon seit über 20 Jahren vorab konstruierte Trassen für Güter- und Personenverkehr als Basis für die Infrastrukturplanung genutzt. Resultat ist unter anderem eine der höchsten Zugdichten der Welt.
Schließlich kam damit auch die wichtigste aktuelle Entwicklung im deutschen Güterverkehr zur Sprache – die standardisierten Angebote. Burkhard Bräkling, Geschäftsleitung TX Logistik AG, stimmt zu, dass der Güterverkehr vom Konzept Deutschland-Takt profitieren könne. „Die Schaffung von Trassenprodukten für den Güterverkehr mit klar definierten Leistungs- und Qualitätsstandards ist die Grundlage professioneller Schienenlogistik. Das setzt eine integrierte Netzplanung voraus, in der Personen- und Güterverkehr gleichberechtigte Nutzer des Netzes sind."
In der abschließenden Podiumsdiskussion unter Praktikern aus Infrastruktur-, Güter- und Personenverkehrsunternehmen erläuterte unter anderem Dr. Jörg Sandvoß (Vorstand Vertrieb und Fahrplan der DB Netz AG) die neuen Ansätze zur Infrastrukturplanung der DB Netz AG. Susanne Henckel, Hauptgeschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft der Aufgabenträger des SPNV, zog als Fazit aus der Veranstaltung, dass in der Praxis mittlerweile nicht mehr das „Ob" eines Taktfahrplans diskutiert werde. Die Branche sei mittlerweile vielmehr bereits dabei, das „wie" zu erproben.
Die Fachveranstaltung „Deutschland-Takt und Schienengüterverkehr – Widerspruch oder Erfolgsstory?" wurde in Berlin, gemeinsam durch den ökologischen Verkehrsclub VCD, die BAG-SPNV und das Netzwerk Europäischer Eisenbahnen organisiert.