(27.10.2014)
Nächstes Jahr durchschneiden die SBB im Schienennetz Schweiz fast so etwas wie den Gordischen Knoten: Für den nationalen Verkehr West–Ost wird Zürich Durchgangsbahnhof! Ohne Wenden fahren Intercitys von Westen her weiter nach Zürich Oerlikon und Richtung Osten. Genau dort, in Zürich Oerlikon, gibt es auch eines der vielen Bahnjubiläen des Jahres 2015 zu feiern. Und erst noch ein hochrangiges: 150 Jahre Bahnknoten Oerlikon.
Das Unternehmen, das vor anderthalb Jahrhunderten, am 1. Mai 1865, in der ländlichen Gemeinde Örlikon Anschluss an das Netz der Schweizerischen Nordostbahn findet, heisst Bülach–Regensberg-Bahn. Sie will mit einem weiteren Abzweiger in Oberglatt diese beiden Orte mit Zürich verbinden. In Bülach gelingt das auf Anhieb, bei Regensberg nur bis zum tiefer gelegenen Dielsdorf. Den neuen Schienenspross – Teil der heutigen S5/S55 – betreibt vom Anfang an die Schweizerische Nordostbahn, die ihn zwölf Jahre später schluckt, bevor sie selber 1902 in den SBB aufgehen wird.
Genau seit 150 Jahren fahren die Züge zwischen Schaffhausen und Beringen auf zwei Gleisen. Das zweite Gleis, damals für die Rückkehr von Schiebelokomotiven nach Schaffhausen gebaut, dient – erst 2013 elektrifiziert – der seither fleissig pulsierenden und erfreulich benutzten S-Bahn Schaffhausen.
Vor 125 Jahren vollendet werden ausschliesslich meterspurige Bahnen: Seit 1890 verbindet eine 4,2 km kurze Strecke Le Locle mit Les Brenets. Von Klosters wird die Bahn bis Davos verlängert. Ebenfalls neue Höhen erklimmen – abschnittweise gar mit Zahnstangenhilfe – Bahnen ab Interlaken bis Lauterbrunnen, ab Zweilütschinen bis Grindelwald und ab Visp bis St. Niklaus. Eine reine Zahnradbahn klettert von Capo Lago aus auf den Monte Generoso. Zum Kreis derer, die den 125. Geburtstag feiern können, gesellen sich auch das Berner Tram sowie die Standseilbahn Ecluse-Plan in Neuchâtel und jene von Lugano Paradiso auf den Monte San Salvatore.
Zwei grosse Tunnelbauwerke werden hundertjährig: der Grenchenberg- (Moutier–Lengnau, 8587 m lang) und der überwiegend in Frankreich gelegene Mont d'Or-Tunnel (Frasne–Vallorbe, 6099 m lang, davon 989 m CH). Dass dieser vor genau 75 Jahren für fünf Jahre zugemauert werden musste und danach nur mehr eingleisig hergerichtet wird, erinnert an dunkle Zeiten. Die Zentenarfeier begehen kann 2015 auch die Bahn von Brig nach Gletsch. Dass sie im Abschnitt Oberwald–Gletsch 2010 nach 29jährigem Dornröschenschlaf wieder «wachgeküsst» wurde, grenzt an ein Wunder und ist fleissigen Fronarbeitern zu verdanken.
Diesen Geburtstag nicht erreicht haben die 1915 eröffneten Bahnen von Heerbrugg nach Diepoldsau (stillgelegt 1954), von Clarens Débarcadère bis Clarens CFF (stillgelegt 1955), von Ibach nach Brunnen Schifflände (stillgelegt 1963), von Leuk ins Leukerbad (stillgelegt 1967) sowie jene von Huttwil nach Eriswil (letzter Reisezug 1975, stillgelegt 1978).
Von Thun (Scherzligen) bis Spiez fährt die Bahn seit 100 Jahren elektrisch. Dem gegenüber verschwand der Fahrdraht vor gleich langer Zeit zwischen Sissach und Gelterkinden. Diese Schmalspurbahn meistert danach ihr letztes Betriebsquartal mit Dampf, bevor ihr die SBB Anfang 1916 den Gnadenstoss geben und dem Tal den direkten Weg nach Olten öffnen.
Hundert Jahre Doppespurbetrieb gibt es auf den Strecken Lugano–Melide, Cressier–Le Landeron sowie zwischen Leysin Village und Leysin Fedey (Zahnradbahn!) zu feiern.
Seit 75 Jahren leistet die von den SBB betriebene Güterbahn von Birsfelden Hafen zum Rangierbahnhof Basel SBB einen wichtigen Beitrag an die wirtschaftliche Versorgung der Schweiz und für den Export verschiffbarer Produkte.
Vor gleich langer Zeit verschwunden sind die Bahnen von (Biel–)Biel Mett bis Meinisberg und von Altstätten Bild nach Berneck, als Busse deren Aufgaben übernehmen.
Den 75. Geburtstag des elektrischen Betriebes begehen die Strecken Vevey–Puidoux-Chexbres (seit 2013 Teil der SBB), Andermatt–Oberalpsee und Tschamut-Selva–Disentis/Mustér. Dass für den wintersicheren Bahnausbau im Bündner Oberland die Oberalpstrecke am Nätschen zunächst mit Gleichstrom und mit Lokomotiven der Schöllenenbahn betrieben wird, ist bloss mehr historische Reminiszenz für Bahnfreunde.
Fünfzig Jahre sind es her, dass der Rangierbahnhof Chiasso neu gebaut und mit einem eingleisigen Tunnel (616 m) nach Balerna nordwärts an die Gotthardlinie angeschlossen wird. Der heutige RBS findet über eine neue Aarebrücke bei Worblaufen und durch den zweigleisigen Schanzentunnel (1308 m) Zugang in den Tiefbahnhof Bern. Diese Schmalspurbahn wandelt sich zur auch im Ausland viel beachteten Minimetro. Als eine der letzten normalspurigen Privatbahnen stellte damals die inzwischen zur Thurbo mutierte Mittelthurgau-Bahn auf elektrischen Betrieb um. Umgekehrt verdrängen Busse in Fribourg das letzte Tram und im Maggiatal die Bahn von Ponte Brolla nach Bignasco. Dass deren 180 m langer Saspietsch-Tunnel (Avegno–Gordevio) 26 Jahre später (2001) zum Strassentunnel „Torbeccio" aufrückt, zeugt von einer guten Trassee-Wahl der Bahnpioniere.
Eben erst eröffnet, und doch schon 25 Jahre alt, werden die unterirdischen Einführungen der Centovallibahn nach Locarno und der Sihltal–Zürich–Üetliberg-Bahn in den Hauptbahnhof Zürich. Auch das Kernstück der S-Bahn Zürich durch den Zürichbergtunnel (5305 m) Zürich Stadelhofen–Stettbach–Dietlikon/–Dübendorf) ist schon so alt. Seit damals fährt die S-Bahn Zürich zudem vom Knonauer Amt her direkt nach Zug (Wegfall der grossen Zuger Schleife), und auf gestrecktem Doppelspurtrassee erreicht sie ab Aatal (neuer Bahnhof, kurzer Tunnel) Wetzikon. Wie ein luftiger Bypass wirkt die zweite Doppelspur von Zürich Hardbrücke nach Zürich Altstetten, die sich schon ein Vierteljahrhundert lang über die Stammstrecke schwingt. Im Jahr 2015 bekommt sie auf der Südseite des Gleisfeldes mit der Letzigraben- (1156 m) und der Kohledreieckbrücke (392 m eine eingleisige aber noch wuchtigere Entsprechung.
Um rund 650 m verlängert, erschliesst die Bahn in Champéry seit einem Vierteljahrhundert das grösste Skigebiet der Region, die Portes du Soleil (Planchaux), auf ideale Weise.
Unscheinbar und doch wichtig sind zwei vor 25 Jahren auf Rigi Staffel eingebaute Weichen: Sie verbinden die inzwischen fusionierten Bahnen von Arth-Goldau und von Vitznau auf die Rigi. Und das erleichtert den Rollmaterialtausch von hüben nach drüben und umgekehrt. Der unscheinbare Bahnbau setzt den Keim zu einer neuen blühenden Pionierleistung dieser ältesten Zahnradbahn Europas: Seit genau fünf Jahren anerkennt sie nämlich Swisspass und Generalabonnement zur freien Fahrt auf die Rigi oder die Regina montium: die Königin der Berge! Eine originelle, mustergültige Erfolgsstory. Gute Reise!