(01.02.2012)
Der Schienengüterverkehr in Deutschland wächst: Nach Hochrechnungen des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) stiegen Verkehrsaufkommen und Verkehrsleistung im Jahr 2011 um etwa fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Über 370 Millionen Tonnen transportierten die Unternehmen des Schienengüterverkehrs im vergangenen Jahr. Die Verkehrsleistung erreichte mehr als 112 Milliarden Tonnenkilometer.
Trotzdem steht für viele deutsche Güterbahnen die Wettbewerbsfähigkeit auf dem Spiel, da die Branche in den kommenden Jahren eine wahre Kostenexplosion zu erwarten hat. Bis zum Jahr 2015 werden die Aufwendungen für Schienengüterverkehr in Deutschland auf Unternehmensseite um etwa 27 Prozent steigen. Dies hat der VDV gemeinsam mit den deutschen Güterbahnen ermittelt.
Schuld an den stark zunehmenden Kosten sind verschiedene Faktoren wie steigende Infrastruktur- und Energiekosten, aber auch politische Regelungen zur Interoperabilität auf europäischer Ebene. „Der Schienengüterverkehr ist ein sehr preissensibler Markt mit vielen klein- und mittelständischen Unternehmen. Sollte die von uns und den Unternehmen errechnete Kostensteigerung Wirklichkeit werden, stehen einige Güterbahnen vor dem Aus", so VDV-Hauptgeschäftsführer Oliver Wolff.
Energiekosten und Infrastrukturentgelte sind die größten Kostentreiber
Die Kosten für Fahrstrom sind seit 2003 bereits um mehr als 40 Prozent pro Zugkilometer gestiegen. Bis 2015 ist auch wegen der zusätzlichen Belastungen aus dem europäischen Emissionshandel, von dem der elektrische Schienenverkehr als einziger Verkehrsträger vollständig erfasst wird, mit einem weiteren Kostenzuwachs von über 50 Prozent zu rechnen. Sollten sich die Infrastrukturentgelte, also die Kosten für die Nutzung der Eisenbahnnetze, bis zum Jahr 2015 so wie in den vergangenen Jahren entwickeln, steigen allein hierdurch die gesamten Produktionskosten von Güterzügen um etwa vier Prozent. „Energiekosten und Infrastrukturentgelte machen dann zusammen etwa 40 Prozent der Gesamtkosten pro gefahrenem Kilometer aus. Hinzu kommen Umrüstkosten für Lärmminderung an den Wagen und Nachrüstung von Zugsicherungssystemen an den Loks. Jeder Zugkilometer verteuert sich damit in den nächsten vier Jahren um 27 Prozent im Vergleich zu heute", so Wolff weiter.
Der VDV und die deutschen Güterbahnen appellieren deshalb an die Bundes- und Landespolitik, den Aussagen, dass man mehr Güterverkehr auf die Schiene verlagern wolle, auch Taten folgen zu lassen. „Immer wieder hören wir, dass die Politik aus ökologischen und ökonomischen Erwägungen dafür sorgen will, dass künftig mehr Güter auf der Schiene statt auf der Straße transportiert werden. Die Realität ist jedoch eine andere, denn solche Kostensteigerungen im Schienengüterverkehr führen eher zu Rückverlagerungen von Transportströmen auf andere Verkehrsträger. Die Finanzierung der Eisenbahninfrastruktur muss sichergestellt werden und es muss eine marktgerechte Ausgestaltung der europäischen Regelungen geben, zum Beispiel bei der Interoperabilität", so Wolff abschließend.