(01.02.2012)
Gute Nachrichten für Münsters Nahverkehr und dessen Fahrgäste. Mit insgesamt rund 1,4 Millionen Euro unterstützt der Zweckverband Nahverkehr Westfalen Lippe (NWL) die Stadtwerke bei der Einführung des "bargeldlosen Busfahrens".
Das Projekt hat Signalwirkung über Münster hinaus, findet Dr. Hermann Paßlick, Verbandsvorsteher des NWL: „Die Entwicklung des Nahverkehrsangebotes in Münster ist beispielhaft für die gesamte Region. Mit der Einführung des eTickets wird ein weiterer wichtiger Schritt für ein modernes Nahverkehrssystem deutschlandweit vollzogen." Bei zuwendungsfähigen Kosten von 2.811.700,00 Euro beläuft sich die Förderung des NWL auf stolze 1.405.900,00 Euro.
Gefördert wird die notwendige technische Infrastruktur und die Einführung eines elektronischen Fahrgeldmanagements (EFM). Dieses wird in Münster auch mit Blick auf die Einführung landesweit gültiger elektronischer Tickets und die landesweite Ausgabe von elektronischen Semestertickets erforderlich. Für die Stadtwerke stehen der mit den neuen technischen Möglichkeiten verbundener Service zugunsten der Fahrgäste im Vordergrund.
Dr. Henning Müller-Tengelmann, kaufmännischer Geschäftsführer der Stadtwerke Münster, bedankt sich für die Unterstützung. „Wir freuen uns, hier ein zukunftsweisendes Beispiel für innovativen Nahverkehr weiter vorantreiben zu können. Dazu gehört, dass wir die Technik nicht nur für elektronische Abos nutzen möchten. Vielmehr wollen wir künftig moderne, dynamische Tarife zum Beispiel mit Tagesbestpreisabrechnung bieten."
Reinhard Schulte, Leiter Nahverkehrsmanagement, sieht im eTicket einen Meilenstein: "Ein solches flexibles Ticket macht das Bus fahren noch einfacher, weil der Kunde immer das passende Ticket zur Hand hat, das für ihn obendrein noch besonders günstig ist."
Gleichzeitig soll mit der Einführung des eTickets die Stadtwerke PlusCard zur Chipkarte werden. Das macht sie für Mobilitätsdienstleister wie die städtischen Parkhäuser oder die Taxizentrale als bargeldloses Zahlungsmittel interessant. Die Nutzung der eTicket-Chipkarte als elektronische Kundenkarte ist allerdings nicht Bestandteil der Förderung.
Weitere Informationen zum Thema:
Ein EFM-System (Elektronisches Fahrgeldmanagement) ist technisch höchst anspruchsvoll und gliedert sich in folgende zwei Bereiche:
Hintergrundsystem:
Das Hintergrundsystem dient der automatischen Abbildung der Geschäftsprozesse inklusive Anlegen der Kunden- und Ticketdaten sowie der Erstellung/Änderung der eTickets. Insbesondere steuert das Hintergrundsystem den Datenaustausch mit externen Systemen in Form von Sperrlisten, Tarifdaten, etc. Das Hintergrundsystem bildet somit die zentrale Datenhaltungs- und Steuerungsfunktionen im EFM. Zusätzlich ist der Aufbau einer Internet-Plattform (Online-Kundenportal) vorgesehen, mit dem der Fahrgast seine Kundendaten einsehen, Abos online bestellen und Tickets online erwerben kann.
Vordergrundsystem:
Das Vordergrundsystem besteht aus Erfassungs- und Vertriebsterminals sowie aus Kontrollterminals. Hier ist die Beschaffung von Vertriebs- und Kontrollterminals für die Aufstellung in eigenen und externen Verkaufsagenturen, in den Fahrzeugen sowie von mobilen Kontrollgeräten für das Kontroll- und Servicepersonal vorgesehen. Diese Geräte dienen der Ausgabe und Verarbeitung kontaktloser Chipkarten. Für die Erstausstattung der Abo-Kunden liegen bei den Stadtwerken 40.000 Chipkarten bereit. Allein in Münster müssen über 160 Busse mit sogenannten Validatoren ausgestattet werden - pro Bus werden zwei Geräte eingebaut.