(17.06.2013)
Der Berliner Senat veranstaltet im Rahmen des Bündnisses „Rail Baltica" mit den Bürgermeinstern polnischer und baltischer Großstädten, von Helsinki und mit Vertretern der Europäischen Union eine europäische Konferenz im Roten Rathaus mit anschließender Sonderzugfahrt nach Litauen.
1938 konnte man morgens in Riga in einen Schnellzug einsteigen und war am frühen Abend in Berlin. Heute – 75 Jahre später – benötigt man mit dem Zug 38 Stunden. Genau deshalb haben sich zahlreiche Städte und Regionen entlang der Rail Baltica zusammengeschlossen, um sich gemeinsam für einen schnelleren Ausbau der Verbindung zwischen Berlin und dem Baltikum und für die Beseitigung bürokratischer Hemmnisse für den Bahnverkehr an den Grenzen einzusetzen. Im dem EU Projekt „Rail Baltica Growth Corridor" geht es daneben auch um eine Vernetzung und Zusammenarbeit in den Gebieten Wirtschaft, Logistik und Tourismus. Berlin hat dabei einen starken Bündnispartner: Die EU-Kommission hat die Verbindung Berlin - Warschau - Kaunas - Riga - Tallinn - Helsinki/St. Petersburg in das Netz der wichtigen transeuropäischen Schienenkorridore aufgenommen hat. Dieser Korridor soll das Rückgrat der Entwicklung der Europäischen Union im Osten bilden soll.
Die Abschlusskonferenz
Die Abschlussveranstaltung des EU Projektes „Rail Baltica Growth Corridor" wird am Freitag, 14. Juni 2010 um 10 Uhr im Festsaal des Roten Rathauses durch den Bürgermeister und Senator für Stadtentwicklung und Umwelt Michael Müller eröffnet. Fast alle Städte und Regionen der Rail Baltica werden ihre durch ihre Bürgermeisterinnen oder Bürgermeister vertreten sein (Posen, Łodz, Warschau, Białystok, Kaunas, Tallinn und Helsinki). Anwesend sind auch Vertreter der EU Kommission und des Europaparlamentes. Im Vordergrund stehen der gemeinsame Erfahrungsaustausch und die Erarbeitung von Lösungsansätzen und deren konkreter Umsetzung.
Senator Michael Müller: „Mobilität ist eines der großen Themen unserer Zeit. Es geht um die zentrale Herausforderung – ein Verkehrssystem zu schaffen, das drei Ziele miteinander verbindet: hohe Leistungsfähigkeit, ein Höchstmaß an Kundenfreundlichkeit und ökologische Nachhaltigkeit. Alle hier anwesenden Städte und Regionen haben ein gemeinsames Interesse: Wir wollen die Wachstumsmetropolen Berlin, Poznan, Łodz und Warschau auf der Schiene mit dem nordöstlichen Ostseeraum verbinden und damit den Rail Baltica-Korridor zu einem wirklichen Entwicklungskorridor ausbauen. Wir wollen erreichen, dass die Menschen bequem reisen und sich unkompliziert begegnen können. Wir wollen klimafreundliche Mobilität für Personen und Güter."
Die Ursachen des unattraktiven Bahnangebots zwischen Berlin und dem Baltikum liegen nicht nur in Mängeln der Infrastruktur. In größeren Abschnitten z.B. in Polen, aber auch im Baltikum wurde die Schieneninfrastruktur entlang der Rail Baltica schon teils modernisiert. Auch die sehr unterschiedlichen nationalen Bahnreformen in den EU-Mitgliedstaaten haben zu einem Flickenteppich sich widersprechender Rechts- und Finanzierungssysteme der Eisenbahnen geführt, die den grenzüberschreitenden Eisenbahnverkehr erschweren.
Im Rahmen des Rail Baltica – Projekts wurde vor allem von einander gelernt: So ähneln sich z.B. die Probleme an den Grenzbahnhöfen, wo vielerorts Umstiege nötig sind, Anschlüsse nicht stimmen oder sogar zwischen den Grenzbahnhöfen eine Fußweg zurückgelegt werden muss. Für viele der Problemlösungen zur Stärkung der Rail Baltica braucht es also nicht unbedingt umfassende finanzielle Mittel, sondern vor allem Kommunikation und Kooperation. Im EU Projekt Rail Baltica gibt es hierzu zwei wichtige Projekte: Der Aufbau eines Fahrplaninformationssystem „von Haustür zu Haustür" durch den Projektpartner VBB für den gesamten Rail Baltica-Korridor und die Vernetzung der Logistikzentren durch die Brandenburgischen Partner.
Es gibt aber auch bei den Investitionen in das Schienennetz der Rail Baltica weiter Handlungsbedarf. Vorgeschlagen wird, dass zunächst die kleinen Engpässe im Schienennetz modernisiert werden, deren Beseitigung bei relativ geringen Kosten eine große Wirkung entfaltet. Beispiele sind der Engpass „Wuhlheider Kreuz" im Berliner Stadtgebiet oder dringende Modernisierungen zwischen Warschau und der litauischen Grenze. Für den langfristigen Horizont unterstützt der Senat das polnische Projekt der Realisierung der Hochgeschwindigkeitsstrecke Warschau - Łodz - Posen mit einer geeigneten Verlängerung nach Berlin. Langfristiges Ziel ist auch der Bau einer elektrifizierten Neubaustrecke von Białystok bis nach Tallinn in europäischer Normalspur. Helsinki hat im Projekt auch die Machbarkeit eines Eisenbahntunnels von Tallinn nach Helsinki geprüft, mit denen die Wachstumsregion Helsinki - St. Petersburg-Tallinn an die Schiene angeschlossen werden könnte.
Die „fliegende Konferenz" – Zugfahrt von Berlin nach Kaunas mit Fototermin
Auf Vorschlag von Berlin werden die Teilnehmer ab 17:37 Uhr, Berliner Hauptbahnhof die Konferenz als „fliegenden Konferenz" in einem „EuroCity Rail Baltic" nach Kaunas unter der Leitung von Staatssekretär Christian Gaebler fortsetzten. Ab Warschau fährt der Zug als Sonderzug weiter. Es wird der erste hochwertige Zug in IC-Qualität sein, der einen litauischen Grenzbahnhof anfährt. Noch muss dort in einen Zug mit russischer Breitspur umgestiegen werden. Litauen hat aber bereits begonnen zunächst bis Kaunas neue Gleise in europäischer Spurweite zu verlegen.
Ein entsprechender EuroCity mit Fahrradbeförderung, der als Tagesverbindung die Touristen von Berlin nach Kaunas und von dort weiter nach Riga, Memel oder zur Kurischen Nehrung bringt, ist das gemeinsame Ziel von Berlin und Kaunas und soll noch in diesem Jahrzehnt nach den ersten Modernisierungen in Polen und nach der Fertigstellung der neuen Bahnstrecke in europäischer Spurweite nach Kaunas Realität werden.