(19.06.2014)
Die überwiegende Mehrheit der Nahverkehrs-Reisenden ist für mehr soziale Gerechtigkeit im deutschen Schienenpersonennahverkehr (SPNV). Das hat eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Deutschen Bahn ergeben. So befürworten 80 Prozent der Befragten, dass Lohn- und Sozialstandards in allen Eisenbahnunternehmen gleich sein sollten. Große Zustimmung findet auch die Übernahme der Mitarbeiter im Falle eines Betreiberwechsels: 74 Prozent der Nahverkehrsnutzer sind dafür, dass die Bahnbelegschaft zu gleichen Lohn- und Beschäftigungsbedingungen auf der gewohnten Strecke weiterarbeiten kann, wenn der Verkehr dieser Strecke von einem anderen Eisenbahnunternehmen übernommen wird. Bislang gibt es für Eisenbahner in Deutschland kaum einen geregelten Übergang zum Neubetreiber, der gleichbleibende Arbeitsbedingungen sichert, wenn ein Unternehmen eine Ausschreibung verliert. In anderen europäischen Ländern wie Schweden oder Großbritannien wird den Bahnmitarbeitern diese Möglichkeit seit langem garantiert.
„Der deutsche Nahverkehrsmarkt ist reif für mehr soziale Verantwortung", so Manfred Rudhart, Vorstandsvorsitzender von DB Regio, der Nahverkehrssparte der DB. Rudhart betonte, die zunehmende Tendenz zum Personalkostenwettbewerb erfülle ihn mit Sorge. „Wir haben es im Wettbewerb der Bahnunternehmen mittlerweile mit starken und erfahrenen Playern zu tun, die ihre Verantwortung als Unternehmer in Deutschland ernst nehmen. Nun ist es an der Zeit, gleiche Beschäftigungsbedingungen und sichere Perspektiven für die Mitarbeiter in den Ausschreibungsbedingungen zu verankern."
Wettbewerb im Regionalverkehr wird laut Forsa vom überwiegenden Teil der Bahnfahrer begrüßt, wenn dieser im Sinne der Qualität geführt wird. Mehr als die Hälfte der Befragten meinen, die Beschäftigungsbedingungen der Eisenbahner dürften nicht zur Nebensache werden, ein gutes Zug-Angebot allein sei nicht entscheidend. Jeder zweite Nahverkehrskunde ist der Meinung, dem Bahnverkehr seiner Region ginge das Wissen erfahrener Eisenbahner verloren, wenn Bahnmitarbeiter nach Ausschreibungsverlusten ihren gewohnten Arbeitsplatz aufgeben müssen.