(02.05.2012)
Verkehrslärm stellt ein zunehmendes Problem für die Bevölkerung dar. Allein 25 Prozent der Bevölkerung leidet unter Schienenlärm, vor allem durch den zunehmenden Güterverkehr. Dennoch scheinen Politik, die Deutsche Bahn AG und die Gütertransportunternehmen die Gefahren sowie den drohenden Imageschaden nicht ausreichend zu erkennen.
Vergangene Woche lehnte der Bundestag konkrete Vorschläge für einen besseren Schutz der Menschen vor Schienenlärm ab. Von der heutigen Beratung des DB-Vorstandes zur Lärmstrategie ist deshalb auch nicht zu erwarten, dass zeitnah wirkende Maßnahmen zur Lärmreduzierung verabschiedet werden. Damit manövriert sich die Bahn aufs Abstellgleis, befürchtet der ökologische Verkehrsclub VCD. Forderungen nach einem Tempolimit und Nachtfahrverboten für laute Güterwagen, zur sofortigen Reduzierung des Lärms, seien so nicht mehr auszuschließen.
Für den Güterverkehr wird ein starkes Wachstum erwartet. Die Bundesregierung spricht von einem Anstieg der Verkehrsleistung um 65 Prozent bis zum Jahr 2025 bezogen auf das Jahr 2004. Das heißt, es wird noch lauter. „Seit 2002 spricht die Deutsche Bahn über den Schutz vor Bahnlärm, ohne dass sich entscheidend etwas verändert hat. Die Schiene droht ihren Vorteil gegenüber der Straße zu verspielen, wenn Güterwagen nicht sofort umgerüstet werden", so Michael Ziesak, VCD-Bundesvorsitzender.
Bei den betroffenen Menschen, insbesondere im Rheintal, im Oberrheingraben oder auch in Städten an Güterverkehrsachsen, wie zum Beispiel Bremen und Mainz, schwindet die Geduld. Das permanente Schwarze-Peter-Spiel zwischen Politik, Eisenbahnbundesamt und Eisenbahnen auf Kosten der Bevölkerung muss ein Ende haben. Zumal es technische Möglichkeiten gibt, den Lärm an der Quelle, also an den Güterwagen und Schienen, deutlich zu verringern.
Michael Ziesak: „Wir wollen mehr Verkehr auf der Schiene. Aber nach zehn Jahren Debatte können wir nicht mehr auf die Genehmigung lärmmindernde Bremssysteme warten. Wenn die DB AG abwartet bis sie jede Bremse und deren Betriebskosten bezahlt bekommt, werden wir auch in den nächsten zehn Jahren keine Lärmminderung erreichen. Insbesondere die DB AG muss jetzt umrüsten, wenn sie nicht an Wettbewerbsfähigkeit einbüßen will."
Der VCD-Bundesvorsitzende ist sich sicher, folgt kein umgehendes Handeln werden Tempolimits und Nachtfahrverbote unvermeidlich. Noch kann die Deutsche Bahn dies abwenden.
Michael Ziesak:„Wir fordern die Deutsche Bahn auf, in den Lärmschutz an der Quelle zu investieren und lärmabhängige Trassenpreise einzuführen. Allein einen Lärmbeauftragten zu berufen und Strategien auf Papier zu entwickeln, bringt uns nicht weiter."