(17.04.2012)
Die deutschen Bahntechnikhersteller erzielten 2011 einen Auftragsrekord. Die Auftrags-eingänge stiegen im vergangenen Jahr um 28 Prozent auf 14,5 Milliarden Euro. Das berichtete der Verband der Bahnindustrie in Deutschland (VDB) e.V. auf seiner heutigen Jahrespressekonferenz in Berlin. Bei den Inlandsbestellungen konnte man kräftig zulegen, während sich das Auslandsgeschäft rückläufig zeigte. Aufgrund gefüllter Auftragsbücher konnte die Bahnindustrie den Anteil ihrer Beschäftigung um 7 Prozent auf insgesamt 49.100 Mitarbeiter erhöhen.
„Die Bahnindustrie in Deutschland ist 2011 gut vorangekommen", erklärte Verbandspräsident Dr. Klaus Baur. „Die Bestellungen für Bahntechnik sind deutlich gestiegen, weil unser größter Kunde, die Deutsche Bahn, lange erwartete Aufträge erteilte." Sie ließen die Inlandsnachfrage nach heimischer Bahntechnik um nahezu 116 Prozent steigen.
Dagegen zeigte die Auslandsnachfrage der exportorientierten Bahnindustrie in Deutschland im vergangenen Jahr Schwächen. Baur führt den Rückgang um 22 Prozent auf eine abnehmende Dynamik der Weltwirtschaft im vergangenen Jahr zurück, die auch Bahntechnikhersteller zu spüren bekommen hätten. So ging die Nachfrage nach Schienenfahrzeugen und Komponenten im Ausland um 30 Pro-zent zurück auf ein Volumen von 3,5 Milliarden Euro. Stärker nachgefragt als im Vorjahr waren im Ausland hingegen Infrastrukturausrüstungen, und zwar um rund 22 Prozent mit einem Volumen von 1,1 Milliarden Euro.
Der Umsatz der Branche verringerte sich im vergangenen Jahr um über 6 Prozent auf 10,2 Milliarden Euro. Während das Inlandsgeschäft mit 5,2 Milliarden Euro leicht um 2 Prozent stieg, sank das des Auslands um fast 14 Prozent auf 5 Milliarden Euro. Die Exportquote der Branche liegt nun bei 49 Prozent. Der Umsatz mit Schienenfahrzeugen ging 2011 gegenüber dem Vorjahr spürbar um 11 Pro-zent zurück. Etwas besser verliefen die Geschäfte mit Infrastrukturausrüstungen. Sie legten um über 7 Prozent zu. „Beim rückläufigen Umsatz macht sich insbesondere der krisenbedingte Nachfrageeinbruch des Jahres 2009 bemerkbar", erklärte Baur.
Dennoch erwartet der VDB-Präsident grundsätzlich eine weitere positive Entwicklung des Geschäfts mit Bahntechnik. Darauf deute auch hin, dass sich die Bestellungen der Bahnindustrie seit 2005 fast durchgehend oberhalb der Umsätze bewegen. Hinsichtlich der Einführung des Handbuchs Eisenbahnfahrzeuge zur vereinfachten und beschleunigten Zulassung von Zügen durch das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung vor einem Jahr, zieht der VDB eine durchwachsene Bilanz. Zwar seien erste Erfolge sichtbar, zum Bei-spiel durch zahlreiche Regionaltriebzüge, die in den zurückliegenden Monaten hintereinander zugelassen worden seien. „Dennoch sind bislang nicht alle zentralen Aspekte der Vereinbarung umgesetzt", erklärte Baur.
Von den knapp 30 im Handbuch Eisenbahnfahrzeuge formulierten Regeln sollten 4, die für die Planungssicherheit der Zughersteller besonders entscheidend sind, in eine Verordnung überführt werden. Davon ist bislang nur eine durch Anweisung des Bundesverkehrsministeriums umgesetzt. Bis Mitte 2012 sollen sämtliche dieser 4 Regeln in die Verordnung überführt werden. Bei der weiteren Umsetzung des Handbuches bliebe noch einiges zu tun, um den Zulassungsprozess in Deutschland dem aktuellen Entwicklungs- und Produktionstempo anzupassen.
„Der eingeschlagene Weg ist richtig und notwendig", betonte Baur. Kritik übte der Verband am aktuellen Entwurf des Eisenbahnregulierungsgesetzes der Bundesregierung. Er würde in seiner gegenwärtigen Gestalt auch zu einer unakzeptablen Überregulierung des Service- und Instandhaltungsgeschäftes der Bahntechnikhersteller in Deutschland führen, erklärt VDB-Hauptgeschäftsführer Ronald Pörner. „Unsere Mitgliedsunternehmen sind die falschen Adressaten für die Regulierungsbemühungen der Bundesnetzagentur, denn sie verfügen über kein Monopol. Ganz im Gegenteil – sie müssen sich tagtäglich dem hart umkämpften Wettbewerb um die Eisen-bahnverkehrsunternehmen stellen." Rund 13 Prozent ihres Umsatzes erzielen die Bahntechnikhersteller in Deutschland in diesem Markt.