(20.03.2012)
Die Stadt Bremen und die BSAG sind mobil für morgen: Auf der neuen Strecke der Linie 1 von der Züricher Straße bis nach Mahndorf werden verschiedene Modell-Projekte des Umweltschutzes erprobt. Dazu zählen beispielhaft Maßnahmen zur Energieeinsparung und somit Verminderung des Treibhausgases Kohlendioxid genauso, wie Begrünungen (zum Beispiel Baumpflanzungen) sowie die Vernetzung der Verkehrsmittel untereinander und insbesondere von Bahn, Bus und Fahrrad.
Hierzu der Vorstand der BSAG: "Wir freuen uns, dass es gemeinsam mit der Stadt Bremen gelungen ist, an der neuen Strecke der Linie 1 verschiedene Umweltprojekte erproben können. Sie unterstreichen die hohe Bedeutung der Straßenbahn als ein ökologisch sinnvolles, nachhaltiges Verkehrsmittel und helfen, Strom und damit Kohlendioxid einzusparen. Die neue Strecke mit ihren zahlreichen neuen Bäumen und den Rasengleisen durchzieht den Ortsteil Tenever und die Einkaufsmeile beim Weserpark wie ein grünes Band. Sie wertet den Südosten Bremens spürbar auf. Die Maßnahmen ergänzen viele weitere Umweltaktivitäten der BSAG, wie zum Beispiel die Erprobung von Hybridbussen und Elektroautos oder den Einsatz von 180 Dieselbussen (von insgesamt rund 210) mit dem höchsten europäischen EEV-Abgasstandard. Wir sind mobil für morgen."
Maßnahmen zur Energieeinsparung
Die Straßenbahn ist an sich schon ein sehr umweltfreundliches Verkehrsmittel, denn sie erzeugt vor Ort keine Abgase. In Bremen werden sie mit zertifiziertem, nachhaltig erzeugtem Ökostrom betrieben. Folgende Projekte des technischen Umweltschutzes und insbesondere zur Energieeinsparung sind an der neuen Strecke verwirklicht:
- Energiespeicher: Mit seiner Hilfe kann der von den Straßenbahnen beim Bremsen erzeugte Strom durch Zwischenspeicherung besser ausgenutzt werden. Der Speicher dient also dazu, Strom einzusparen (siehe unten).
- Über die aktuellen Energieflüsse im Schwungrad-Speicher kann sich die Öffentlichkeit mit Hilfe einer Anzeigentafel an der Haltestelle Weserpark in Zukunft informieren.
- Ebenfalls an der Walter-Geerdes-Straße befindet sich eine weitere so genannte Umformerstation (Gleichrichterwerk), in welcher die gelieferte Mittelspannung (Drehstrom) in die von den Straßenbahnen benötigte Spannung (600 Volt, Gleichstrom) umgewandelt wird. Auf dem Dach dieser Station ist eine Photovoltaik-Anlage entstanden, die Sonnenenergie in Strom umwandelt. Dieser Strom wird ins allgemeine Stromnetz eingespeist.
- Alle 43 neuesten Niederflurbahnen erhalten für die Fahrerinnen und Fahrer Stromverbrauchs-Anzeigen. Zwei Niederflurbahnen werden mit Anzeigen ausgestattet, an denen der Fahrgast erkennt, wann die Bahn Energie ins Fahrleitungsnetz rückspeist.
- Im Zuge der Strecke sind so genannte Hochketten-Fahrleitungen (Oberleitungen) installiert, welche die natürlichen Leitungsverluste mindern.
- Sämtliche Fahrgastunterstände an der neuen Strecke erhalten stromsparende LED-Beleuchtung.
- Die Deckenbeleuchtung (LEDs) je eines Fahrgastunterstandes der Haltestellen Engadiner Straße und Tenever wird versuchsweise mit Sonnenenergie und unabhängig vom Stromnetz betrieben. Die Stationen sind dafür mit Solarmodulen ausgestattet. An den beiden Haltestellen Weserpark wird versuchsweise eine Solaranlage installiert, die neben der Beleuchtung der Fahrgastunterstände (LEDs) auch die Beleuchtung der Werbeträger mit Energie versorgt. Das ermöglicht eine vollständige Ausnutzung des installierten Solarsystems. Erst wenn die "geerntete Energie" des installierten Solarsystems verbraucht ist, wird Strom aus dem Netz bezogen.
- Die Beleuchtung der Wendeschleife Koblenzer Straße in Tenever erfolgt durch LED-Strahler, welche autark vom Stromnetz von Solarmodulen mit elektrischer Energie versorgt werden.
- Die Beheizung von zwei Weichen im Bereich der künftigen Wendeschleife Bahnhof Mahndorf zum Schutz vor dem Einfrieren erfolgt mit Erdwärme (Geothermie). Durch Bohrungen wird natürliche Wärme aus dem Erdinneren genutzt. Das spart Strom und erübrigt den Einsatz von Streusalz.
Die neue Linie 1 rollt über Rasen
Auf der neuen Strecke der Linie 1 von der Züricher Straße bis nach Mahndorf kam überwiegend Grüngleis zum Einbau, das heißt der Bahnkörper ist mit Rasen begrünt. Um den unterschiedlichen Ansprüchen vor Ort zu entsprechen, gibt es die verschiedensten technischen Bauformen. Die Merkmale sind zum Beispiel: gelegentliche Überfahrbarkeit durch Straßenfahrzeuge, Pflegebedürftigkeit, Optik und Wirtschaftlichkeit. Das Erscheinungsbild der neuen Strecke ist daher sehr unterschiedlich und somit interessant ausgefallen:
- St.-Gotthard-Straße (zwei kurze Abschnitte): Begrünung mit Rasen nur zwischen den beiden Innengleisen bis zur Schienen-Oberkante. Im Untergrund ist ein befahrbares, hoch druckfestes und wasserdurchlässiges Material (Biolit; ein besonderes Gesteinsmehl) eingebracht, das im Notfall von Rettungs-Fahrzeugen überfahren werden kann. Der übrige Bahnkörper ist mit einer Asphalt-Oberfläche versehen.
- Otto-Brenner-Allee: Die Gleise sind auf Beton-Längsbalken verlegt (Bremer Bauart). Der komplette Bahnkörper ist bis zur Schwellen-Oberkante begrünt. Die Schienen bleiben sichtbar.
- Wendeschleife Koblenzer Straße in Tenever: Die Oberflächen-Eindeckung erfolgt mit Schotterrasen.
- Hans-Bredow-Straße von der Osterholzer Heerstraße bis Nußhorn: Die Gleise sind auf Beton-Längsbalken verlegt (Bremer Bauart). Der komplette Bahnkörper ist bis zur Schienen-Oberkante begrünt, die Schiene ist somit eingedeckt und nicht sichtbar. Als Eindeckung wurde Rollrasen auf Mutterboden verwendet.
- Nußhorn bis zur Endstelle Mahndorf: Bauart wie in der Hans-Bredow-Straße.
Weitere Maßnahmen des Baum- und Naturschutzes sind:
- Für 200 Bäume und Sträucher, die insgesamt leider gefällt werden mussten, werden rund 300 neu gepflanzt, also 100 mehr, als bisher vorhanden waren! Bei der Auswahl hat die Stadt Bremen den vorhandenen Bestand berücksichtigt: Es sind überwiegend Eichen, in Einzelfällen auch Hainbuchen, Rosskastanien, Ahorne und Eschen gepflanzt worden. Bis zu vier Baumreihen begrünen die von der neuen Strecke benutzten Straßenzüge.
- Als Praxistest wird die Begrünung von 31 Oberleitungsmasten mit Kletterpflanzen durchgeführt.
- Als Ersatz für gerodete Gehölz an der Endstelle in Mahndorf wird eine Wiese am FFH-Gebiet Krietes Wald (Flora-Fauna Hibitat; zum Schutz des Eremiten, einem seltenen Käfer) aufgeforstet.
Gut vernetzt im Umweltverbund
Um den Umstieg auf nachhaltige Mobilität im Südosten Bremens zu erleichtern, entsteht am neuen Haltepunkt Bahnhof Mahndorf der Regio-S-Bahn RS1 bis 2013 eine "Mobilitäts-Drehscheibe", auf der bequem zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln des Umweltverbundes umgestiegen werden kann. Dafür werden nördlich des Bahnhofs eine Straßenbahn-Wendeschleife für die Linie 1 sowie eine Park&Ride-Anlage und Fahrrad-Abstellmöglichkeiten (Bike&Ride) gebaut. Auch die Buslinie 37 wird vom Kuhkamp-Quartier bis hier geführt. Außerdem schaffen die Beteiligten an der Südseite des Bahnhofs eine weitere Umsteige- und Haltestellenanlage mit Park- beziehungsweise Bike&Ride-Plätzen.
Die Busse der Linien 38, 40/41 und 44 fahren diesen Verknüpfungspunkt an, so dass zwischen allen Verkehrsträgern gute und barrierefreie Umsteigemöglichkeiten geboten werden können. Insgesamt sind auf beiden Seiten rund 220 Park&Ride-Plätze, 200 Fahrrad-Abstellplätze sowie zudem zwei Taxistände geplant.
Nachhaltig mobil sogar rund um die Uhr: Am Bahnhof Mahndorf werden die Nachtlinien N1, N3 und N5 von Hemelingen und Osterholz miteinander verknüpft.
- Weitere Maßnahmen zur Förderung einer nachhaltigen Mobilität an der neuen Strecke sind:
- Fahrrad-Abstellanlagen (Bike&Ride) gibt es an vielen Haltestellen der Linie 1. So kann man bequem mit dem Rad anreisen und zur Weiterfahrt die Bahn nutzen: Schweizer Eck (überdachte Abstellmöglichkeiten), Engadiner Straße (Bügel), Neuwieder Straße (Bügel), im Bereich der Thalenhorst-Kreuzung (Bügel) und ab 2013 am Bahnhof Mahndorf (Bügel und möglicherweise Boxen).
- Ein Taxistand mit sieben Ständen entsteht an der Haltestelle Schweizer Eck. Zwei weitere werden am Bahnhof Mahndorf berücksichtigt.
- CarSharing: An der Haltestelle Schweizer Eck bietet das Vermietungs-Unternehmen cambio zwei Kleinwagen für registrierte Nutzerinnen und Nutzer an.
- Möglichkeiten für die Einrichtung von Ladestationen von Elektrofahrzeugen, wie zum Beispiel E-Fahrräder und E-Pkws werden zurzeit geprüft.