(04.09.2012)
Die zweite Stufe des Stadtbahnprogramms des Geraer Verkehrsbetriebes (GVB) wird in vollem Umfang umgesetzt. Das erklärten Oberbürgermeisterin Dr. Viola Hahn und GVB-Geschäftsführer Ralf Thalmann nach Abschluss der letzten Wirtschaftlichkeitsberechnungen. Wie der GVB-Geschäftsführer heute (3. September) schilderte, habe eine Untersuchung einer unabhängigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft bestätigt, dass von der Umsetzung des Stadtbahnprogramms positive Effekte sowohl für die Stadt als auch für die Wirtschaftlichkeit des GVB ausgehen. Auch gehe aus der Analyse hervor, dass diese Effekte nur bei einer Umsetzung aller vorgesehenen Teilprojekte zu erzielen seien.
Der Geraer Verkehrsbetrieb versicherte, dass Gera nur mit der Umsetzung aller Projektteile den Förderrichtlinien des Bundes entspreche. „Vor diesem Hintergrund unterstütze ich den GVB bei der Verwirklichung dieses ambitionierten Vorhabens", so Dr. Hahn. Umgesetzt werden demnach bis 2015 der Neubau der Stadtbahnlinie 4 nach Langenberg sowie der Ausbau der Trassen nach Bieblach-Ost, in der Wiesestraße und nach Lusan. Die Wirtschaftlichkeit der Investition erneut prüfen zu lassen, sei ihr ein wichtiges Anliegen gewesen, so das Stadtoberhaupt weiter. „Schließlich handelt es sich um ein Großprojekt, das in den kommenden Jahren erhebliche Mittel des GVB und des Stadtwerke-Verbundes binden wird."
Inzwischen habe sie bereits Gespräche mit dem Land Thüringen geführt, um die Bewilligung der Fördermittel voranzutreiben. Der Zuwendungsbescheid aus Erfurt wird kurzfristig erwartet. Danach kann mit Ausschreibung und Bau begonnen werden. Die Gesamtinvestition von rund 53 Millionen Euro wird zu 60% vom Bund und zu 15% vom Land bezuschusst. Zur Finanzierung des Eigenanteiles will der GVB Kredite aufnehmen. Die Gesamtmaßnahme werde für die Stadtwerke keine über den bestehenden Wirtschaftsplan hinausgehenden Belastungen nach sich ziehen und auch für die Stadt werdenach gegenwärtigem Kenntnisstand keine Belastung erwartet, versicherte der GVB-Geschäftsführer. Für die Oberbürgermeisterin eine weitere maßgebliche Voraussetzung, um dem Stadtbahnprojekt zuzustimmen.
„Das ist ein guter Tag für den GVB und für die Stadt Gera", sagte GVB-Geschäftsführer Ralf Thalmann. „An dem Stadtbahnprogramm haben viele GVB-Mitarbeiter lange Jahre gearbeitet und sich für dessen Umsetzung engagiert. Ich gehe davon aus, dass nun alle Fragen geklärt sind und wir schnellstmöglich mit der Umsetzung beginnen können." Mit dem Stadtbahnprogramm seien zahlreiche Verbesserungen nicht nur für die Fahrgäste des GVB, sondern auch für die Bürger der Stadt verbunden. Beispielhaft nannte Thalmann den barrierefreien Ausbau der Haltestellen entlang der Straßenbahntrassen in Bieblach und Lusan, die Trennung von Individual- und Straßenbahnverkehr in Teilen der Wiesestraße oder auch die deutlich verbesserte ÖPNV-Anbindung von Langenberg und den Ortsteilen in Geras Norden durch den Bau der Stadtbahnlinie 4. „All diese Maßnahmen sorgen für ein moderneres Stadtbild, erhöhen die Lebensqualität in Gera und sichern darüber hinaus Aufträge und Arbeitsplätze für die Wirtschaft der Region. Deshalb freuen wir uns, dass es endlich losgehen kann."
Voraussetzung dafür sei das Vorliegen des Fördermittelbescheides vom Land Thüringen. Ziel des GVB ist es, durch Ausschreibung und Vergabe noch in diesem Jahr die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass zügig im nächsten Jahr mit dem dringendsten Projekt – dem Ausbau der Trasse nach Bieblach-Ost – begonnen werden kann. „Wir setzen alles daran, dass wir das trotz der fortgeschrittenen Zeit im Jahr noch schaffen können", so Thalmann weiter. Gleiches gilt für die Neubaustrecke nach Langenberg. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, in Bieblach-Ost und Langenberg noch im Januar beginnen zu können." Für das ebenfalls dringende Projekt in der Wiesestraße wartet der GVB noch auf den Planfeststellungsbeschluss. Der Bau soll gemeinsam mit dem Zweckverband Wasser/Abwasser „Mittleres Elstertal" im kommenden Frühjahr begonnen werden. Der Zweckverband sitzt bereits in den Startlöchern, um die maroden Kanäle in der Wiesestraße erneuern zu können. „Viele Synergien ergeben sich daraus, dass wir bei der Linie 4 und in der Wiesestraße gemeinsam mit dem Zweckverband bauen. Das reduziert nicht nur die Belastungen für die Bürger sondern auch die Kosten für beide Bauherren. Das ist ein weiterer Aspekt, weswegen sich das Stadtbahnprogramm für die Stadt und die Region auszahlt."
Der Zeitplan zur Umsetzung des Stadtbahnprogrammes ist ambitioniert: Denn aus förderrechtlichen Gründen müssen alle vier noch ausstehenden Projektteile bis 2015 abgeschlossen sein. Den ebenfalls zum Stadtbahnprogramm II gehörenden Trassenausbau Hinter der Mauer konnte der GVB schon von Herbst 2010 bis Frühjahr 2011 umsetzen.
Vorgesehen sind nun:
• Ausbau der Linie-3-Trasse nach Bieblach-Ost entlang der Thüringer Straße zwischen Tinzer Straße und Endstelle Bieblach-Ost: Ausbau der Gleise in Stadtbahnqualität, barrierefreie Haltestellen, Haltestellenunterstände in Stadtbahnqualität, Streckenbeschleunigung.
• Neubau der Stadtbahnlinie 4 nach Langenberg: 3 km neue Trasse zwischen Berufsakademie und Langenberg, vier neue, barrierefreie Haltestellen, durchgängige Verbindung zwischen Langenberg, dem Zentrum und Lusan/Zeulsdorf.
• Ausbau der Linie-3-Trasse in der Wiesestraße: Völlige Neuordnung des Verkehrsraumes zwischen Karl-Marx-Allee und Gleisdreieck, weitgehende Trennung von Straßenbahn und Autoverkehr, teilweiser Ausbau als Rasengleis, barrierefreie Haltestellen mit Unterständen in Stadtbahnqualität
• Ausbau der Linie-3-Trasse in Lusan zwischen Gleisdreieck und Werner-Petzold-Straße sowie Ausbau der Wendeschleife Brüte: Ausbau der Gleistrasse in Stadtbahnqualität, barrierefreie Haltestellen, Unterstände in Stadtbahnqualität, Streckenbeschleunigung.