(22.01.2015)
Mehr als 120 Unterquerungen für Bäche weisen die Bahntrassees der Schweizerischen Südostbahn AG (SOB) aus. Sie werden periodisch auf ihren Zustand untersucht. Zurzeit saniert die SOB drei Bachdurchlässe im Raum Mogelsberg. Einer der grösseren ist der Durchlass Sandbüelbach.
Dass die SOB-Strecke über zahlreiche Tunnels und Brücken führt, ist bekannt. Weniger bekannt sind die zahlreichen kleineren, praktisch unsichtbaren Bauwerke. Die 124 Unterquerungen der SOB-Bahntrassees stammen aus der Zeit des Eisenbahnbaus und sind inzwischen gut 100 Jahre alt. Die SOB überwacht diese Bachdurchlässe und unterzieht sie, wie auch die vier Durchlässe in fremdem Eigentum, im Rhythmus von sechs Jahren einer Inspektion. Parallel dazu erfolgen in der Regel das Freilegen des Ein- und Auslaufes sowie kleinere Flickarbeiten. Die Unterhaltsarbeiten an Durchlässen konzentrieren sich zurzeit auf den Raum Mogelsberg.
Ein Durchlass im Verborgenen
Viele der Durchlässe entlang der Trassees sind für Reisende nicht sichtbar. Der Durchlass Sandbüelbach zum Beispiel quert die Gleise beim Bahnhof Mogelsberg in rund 20 Metern Tiefe. Ursprünglich war er 155 Meter lang. Der Stollen wurde mit einem Meter lichter Weite und knapp 1,60 Meter hoch gebaut, sodass kleinere Personen ihn in aufrechtem Gang durchmessen können. Der Durchlass Sandbüelbach wurde damals grosszügig dimensioniert. Dank dieses Umstandes reicht der Durchflussquerschnitt noch heute für ein 300jähriges Hochwasserereignis.
Zunehmende Einsturzgefahr prognostiziert
Die periodische Untersuchung des Bachdurchlasses ergab, dass er diverse Abbruch- und Einbruchstellen aufwies. Ca. 25 Meter vor dem Ende des Durchlasses war die Seitenwand durchgebrochen und hatte zu einem Tagbruch im Steilhang des Tobels geführt. In der Folge spühlte das Wasser das Erdmaterial durch den Stollen hindurch und verstopfte den bereits zerfallenen Vertikalschacht vor dem Auslaufbauwerk. Würde sich nun bei einem weiteren Einsturz Wasser aufstauen, wäre der Bahndamm gefährdet. Weiteres Zuwarten hätte überdies den Instandsetzungsaufwand markant erhöht.
Erschliessung der Baustelle herausfordernd
Der Sandbüelbach rinnt für gewöhnlich als Bächlein von einer Steilwand oberhalb des Bahnhofs. Das Wasser sammelt sich in einem natürlichen Becken und wird in den Durchlass geleitet. Auf der anderen Seite des Bahntrassees weit unten im Tobel befindet sich die Auslaufstelle. Der Fachexperte Ingenieurbauwerke bei der SOB, Beat Burgherr, musste also in dem abschüssigen Gelände eine vernünftige Erschliessung der Baustelle finden. „Die Erschliessung sollte", so erläuterte Beat Burgherr, „möglichst kleine Eingriffe im Bachtobel und Waldgebiet erfordern und wirtschaftlich trotzdem vertretbar sein." Um unten im Tobel die Arbeiten ausführen zu können, erstellte man einen Prügellager-Weg. Er verhindert, dass der Waldboden durch das Befahren mit Baufahrzeugen übermässig zusammengedrückt wird. Dieser Weg wird nach den Bauarbeiten wieder rückgebaut.
Begonnen hat die SOB mit den Arbeiten Ende letzten Jahres. Da der Durchlass tief unter den Gleisen verläuft und Ein- und Auslass sich ebenfalls weit weg befinden, tangieren die Bauarbeiten den Bahnbetrieb nicht. Es gab keinen Grund, die Sanierung in die Totalsperre der Strecke Degersheim–Brunnadern-Neckertal vom 6. Juli bis 9. August 2015 zu integrieren.
Baggerarbeiten in schwierigem Gelände
Der eingestürzte Stollenabschnitt vor dem Vertikalschacht wird wieder in Stand gestellt. Über dem Vertikalschacht und dem Auslaufbauwerk erstellt die SOB mit grobblockigen Natursteinen eine Bachverbauung. Damit verkürzt sich der 155 Meter lange Durchlass um zehn Meter. Anschliessend betoniert sie die durchgebrochene Wand zu und füllt den entstandenen Erdtrichter wieder auf. Um die Erosion zu bremsen, werden auf der ganzen Stollenlänge am Wandfuss und an den Seitenwänden die über die Jahre entstandenen Auswaschungen und Hohlstellen ausgebessert. Je nach Witterung werden die Arbeiten, die sich auf rund 400'000 Franken belaufen, im Frühjahr abgeschlossen sein.
Unbekannt, unscheinbar und dennoch wichtig
Für Beat Burgherr, der die Sanierung leitet, ist auch dieses unbekannte Bauwerk ein wichtiger „Mosaikstein" für einen sicheren Bahnbetrieb. Speziell an diesem Projekt ist für ihn die Tatsache, dass auch diese für die meisten Leute unbekannten und unscheinbaren, vielleicht auch als „klein" betrachteten Bauwerke eine respektable Bedeutung in der Bahninfrastruktur haben und im Falle einer Instandsetzung oder gar eines Neubaus einen ansehnlichen Finanzbedarf auslösen können.